Wir bemerkten, dass der Hotelier sehr traurig war, weil wir umzogen. Ich fühlte mit ihm und wollte ihn irgendwie aufmuntern. Am Abend zuvor hatte Repa Gyatso die Idee, dass wir ihm ein kleines Geschenk kaufen. Wir wollten ihm damit zeigen, dass der Auszug überhaupt nichts mit ihm zu tun hat, dass wir ihn respektieren und ihn sehr mögen. Da wir bemerkten, dass er einen kleinen Altar neben der Rezeption hatte, kauften wir ihm eine Mala mit der er praktizieren konnte. Er nahm das Geschenk dankend an und verneigte sich. Somit konnten wir eine unangenehme und traurige Situation transformieren, weil wir seine Traurigkeit erkannten und annahmen. Es war schön zu sehen, dass er wieder lächelte. Wir machten mit ihm noch ein gemeinsames Foto und dann machten wir uns auf den Weg in die neue Unterkunft.

Wir verliessen unser Guest House und direkt wahrnehmbar war der Gestank & der Smog in der Luft. Hier in Bodhgaya sieht die Sonne ganz anders aus, als man es in Österreich gewöhnt ist, denn es liegt ein Schleier zwischen der Stadt & der Sonne, wodurch eine ganz andere Stimmung entsteht.

Beim durchqueren der Straßen erhielten wir von Repa Gyatso die Aufgabe, trotz der vielen Eindrücke unseren Fokus zu halten. Es war gar nicht so einfach, denn die vielen Bettler, Verkäufer, Tuk Tuk Autos und andere Eindrücke ziehen leicht die Aufmerksamkeit auf sich und auch ein Gefühl von Überforderung schleicht sich hier und da ein. 

Wir waren dankbar, dass Repa Gyatso uns in allem unterstütze und uns Hilfsmittel an die Hand gab, denn ohne ihn hätten wir viel viel länger gebraucht, um mit den Eindrücken umzugehen.

Wir entschieden uns in einem Café eine Pause einzulegen. Beim Frühstückstee hat sich neben uns ein kleiner Junge hingestellt. Er blickte uns mit großen, glasigen Augen an. Sein Gesicht war vom Dreck überlagert und seine Kleidung schmuddelig und alt. Ich merkte, dass es mir schwer fiel ihm in die Augen zu sehen, denn beim Blick in diese Augen fragte ich mich, ob dieses kleine Wesen jemals wirkliche Freude erlebt hat.

Uns ist schnell klar geworden, dass auch er, wie viele kleine Kinder hier, von seinen Eltern dazu erzogen wurde, die Touristen um Geld zu fragen.

Da wir davon ausgingen, dass der kleine Junge Hunger hatte, boten wir ihm einen Riegel an, welchen er zwar genommen hatte, aber trotzdem schien es, als würde Essen nicht das sein, was er brauchte. Ich merkte, wie sich die Stimmung der ganzen Gruppe veränderte. Viele von uns meideten seinen Blick und versuchten mit aller Kraft, dass Leid dieses Jungen irgendwie ungesehen zu machen.

Repa Gyatso fragte uns, was unserer Meinung nach dem kleinen Jungen wirklich helfen konnte. Geld musste er an seine Eltern abgeben und Essen schien ihn wohl auch nicht glücklicher zu machen.

Was konnten wir also tun?

Es war schwer, mit dem Gefühl der Hilflosigkeit da zu sitzen und keine Ahnung zu haben, was wirklich getan werden konnte. Normalerweise bin ich immer davon überzeugt, dass es eine Lösung gibt, doch in dieser Situation kam ich an meine Grenzen.

Repa Gyatso bemerkte unsere Rat- und Hilflosigkeit. Er setzte genau da an und nutze diese Möglichkeit, uns nicht nur theoretisch, sondern im echten Erleben ein Teaching über Samsara zu geben:

Samsara bedeutet, in einem verwirrten Geisteszustand zu sein, dass bedeutet, man ist nicht in der Klarheit. Wie will man also aus der eigenen Verwirrung heraus wissen, was zu tun ist?

Mit einem verwirrten Geist kann man niemandem wirklich helfen, denn jede Lösung auf samasarischer Ebene führt nur zu mehr Samsara. Der verwirrte Geist kann maximal upgrades innerhalb von Samsara schaffen, welche unausweichlich wieder neues Leid kreieren.

Er zitierte einen Auszug eines Meditationstextes – Wir können nur wenig für andere tun, solange wir selbst verwirrt sind oder leiden. Die Worte unserer Meditation bekamen eine ganz neue Bedeutung – Ein Ego weiss nicht, was zu tun ist, ein befreiter Geist weiss, was gebraucht wird.

Jeder von uns sollte dem kleinen Jungen in die Augen schauen und der Gruppe mitteilen, was wir in diesen Augen sehen. Ich konnte mein Gefühl zuerst schwer in Worte fassen, es war aber die pure Hilflosigkeit, die er in mir auslöste. Dieses Gefühl saß so tief und ich merkte, wie ich nicht damit klar kam. Denn mit der Wahrheit konfrontiert zu sein, dass ich diesem Jungen nicht helfen konnte, war alles andere als einfach.

Repa Gyatso erklärte, dass wir in den Augen des Jungen nicht seine, sondern unsere eigene Hilflosigkeit wahrnehmen. Samsara ist die Hilflosigkeit selbst.

Wenn ich Samsara nicht wahrnehme, dann gibt es auch keinen Grund, Samsara aufgeben zu wollen. Ich muss das Leid erkennen.

Würde man nicht in die Hilflosigkeit gehen, wäre man nicht ins Gefühl gegangen und man hätte die Verantwortung abgegeben. Dann wäre ich nur bei mir und meinen Gedanken geblieben. Wenn ich das Leid ignoriere, kann ich bei meiner eigenen Geschichte bleiben – dann bin ich aber weder in der Empathie noch im Mitgefühl.

Repa Gyatso ging tiefer und transformierte die Situation mit folgenden Worten: Genau in dieser Hilflosigkeit (unserer größte Schwäche) liegt das Potenzial, sie zu einer Stärke und zu einem Wunsch zu transformieren. Um sie wirklich transformieren zu können, führt kein Weg daran vorbei, sie zuerst zuzulassen.

Im Verstand können wir keinen Wunsch machen. Erst wenn wir bereit sind, die Hilflosigkeit zu fühlen, können wir sie in ein Versprechen an das Wesen umwandeln:

“Möge ich für alle Lebzeiten an dich gebunden sein. Möge meine Hilflosigkeit der Grund sein, warum ich Befreiung erlange und somit auch dir helfen kann.”

Mit diesem entstandenen Gefühl, entwickelte sich etwas ganz Neues.

Repa Gyatso erklärte weiter, welchem Fehler viele Buddhisten in dieser Situation unterliegen würden:

Hätte man die Situation einfach mit Wünschen und Mantras abgetan, ohne in das eigene Gefühl der Hilflosigkeit zu gehen, hätte man die Verantwortung abgegeben, sich ein gutes Gewissen eingeredet und gedacht, man hätte ja alles Nötige gemacht. Dann hat man anstatt der typischen Reaktionsmuster (Flucht, Angriff oder Todstellen) die Mantras missbraucht, um die Situation zu beschönigen und Samsara geschickt ausgeblendet. Es kommt aber auf die Intention an und ein Mantra aus dem Kopf und nicht aus dem Herzen gesprochen, hilft nicht einmal einem selbst.

Das war ein eindrückliches Teaching und bereits am dritten Tag in so eine Tiefe einzutauchen, ließ mich einen Eindruck davon bekommen, warum Repa Gyatso die ganze Zeit meinte, dass eine Pilgerreise unglaublich viele positive Eindrücke bereithält und warum wir hier in kürzester Zeit viel viel tiefer kommen können, als Zuhause.

Anschließend liefen wir weiter und legten einen weiteren Stop in einem Café zum frühstücken ein. Wir sprachen darüber, warum es uns so schwer fällt, neue Gewohnheiten zuzulassen und alte Gewohnheiten abzulegen.

Ich bin draufgekommen, dass mir meine gewohnten Verhaltensmuster eine Art Sicherheit geben und dass ich sie nicht loslassen will, weil ich sonst Angst habe, nicht zu wissen, wer ich dann bin.

Repa Gyatso erklärte, dass das Paradoxe dabei ist, dass wir jetzt auch nicht wissen, wer wir sind. Nur das Ego denkt, es weiß es – was ziemlich lächerlich klang. Also stand uns eigentlich eine ganz neue Welt offen und zwar herauszufinden, wer wir denn wirklich sind. Wir können aufhören, auf die Stimme des Egos zu hören (auf unsere Gedanken) und ihnen die Macht entziehen, damit sie uns nicht mehr einreden, wie begrenzt wir sind.

> Die Konzepte, an denen wir festhalten, hindern uns daran, den Fluss der Wunder wahrzunehmen die zu jederzeit allgegenwärtig sind. <

Ich habe untersucht, wer ich eigentlich bin. Zuerst kam die Antwort: „Okay, ich bin mein Charakter“ – zum Beispiel freudvoll, gelassen oder nachdenklich. Doch dann wurde mir bewusst, dass das alles nur unterschiedliche Gefühle und Denkmuster sind. Ich bin nicht einfach das eine oder das andere, denn es gibt unendlich viele wechselnde Gedanken und Emotionen – einmal so, einmal anders. In all dem lässt sich kein dauerhaftes, beständiges „Ich“ finden.

Es gibt kein Gefühl ohne Gedanken. Alles entsteht aus einem Gedanken. Wenn aber der Gedanke selbst keine eigenständige Substanz hat – wie kann dann das, was daraus entsteht, dauerhaft oder wahrhaft existent sein?

Später bekamen wir noch ein Teaching: Loslassen bedeutet, den Widerstand loszulassen.

Alles was ich mit Gewalt wegstoße, kommt wieder zu mir zurück. Warum? Egal, ob ich etwas abstoße oder es heranziehe, es ist jedes Mal eine Kraft, die ich reingebe.

Daraus entstand eine Erkenntnis: Ich habe zwar schon gewusst, dass es keinen Sinn macht negative Gedanken zu füttern, mir war aber nicht bewusst, dass – sie nicht füttern zu wollen – selbst das Futter ist.

Gedanken bleiben Gedanken und je ernster ich sie nehme, desto mehr Ausdruck verleihe ich ihnen. – Erstaunlich, dass wir oft nicht so viel Ernsthaftigkeit in positive Gedanken legen, wie in negative.

Wir verliessen das Café, liefen weiter zum Nyingma Tempel und und gaben unser Gepäck ab.

Wir führten unseren Weg fort zum Mahabodhi Tempel. Ich bemerkte, wie das Betreten der Tempelanlage mich direkt erdete. Es war ein Platz, der unglaublich liebevoll und kraftvoll zugleich war und ich schätze jede Minute, die ich hier verbringen konnte.

Später besuchten wir das erste Mal ein indisches Restaurant, was zu unserem Stammlokal wurde. Darin begann quasi ein Ritual, was ich zu Beginn nicht ganz verstand. Wir bestellten was zu Essen und ein Glas Wasser. Repa Gyatso nahm sein Glas und trank den gesamten Inhalt auf einmal aus. Ich wusste nicht, warum er es tat, doch in all den Jahren, in denen ich Repa Gyatso schon kenne, weiß ich, er macht nichts ohne Grund. Daher entschied ich mich, ihn nachzuahmen – es würde wohl einen Grund dafür geben.

Auch am nächsten Tag ergab sich die gleiche Situation, doch dieses Mal stoßte er mit uns davor an uns sagte „Auf die Erleuchtung“. Wir beide tranken wieder das ganze Glas auf einmal aus. Er ergänzte: Wenn es um die Erleuchtung geht, warum sollte man da irgendetwas einsparen oder zurückhalten?

Tage später saßen wir in einem anderen Restaurant von dem Repa Gyatso zuvor schwärmte, weil sie Lassis (Joghurtgetränke aus dem südasiatischen Raum) anboten. Ich saß gegenüber von Repa Gyatso und wir bestellen in freudiger Erwartung die Getränke. Als sie uns serviert wurden, freute ich mich auf den Genuss. Repa Gyatso hob sein Glas, schaute mir tief in die Augen uns sagte „Auf die Erleuchtung“. Ich schmunzelte und zeitgleich dachte ich mir, dass kann doch gerade nur ein Scherz sein – zum einen wollte ich mein Lassi genießen und zum anderen fand ich es unmöglich, ein großes Glas mit dem Joghurtgetränk auf einmal auszutrinken. Als ich bemerkte, dass er keineswegs scherzte, nahm ich die Challenge an. Als wir beide das Glas ausgetrunken hatten, schaute er mich zufrieden an und lobte mich, denn dies war ein gutes Zeichen – ein Schüler der aufnahmefähig und gewillt war.

Als wir das indische Restaurant verließen, machten wir uns auf den Weg zum Nyingma Tempel. Wir trafen uns links vor dem Tempel in einer Wiese und Repa Gyatso begann mit den Teachings über die 360 Unterschulen.

Hier ein kleiner Einblick davon:

Die Einführung dieses Textes bezog sich darauf, dass es verschiedene Ansichten zur Zusammensetzung des Lebens, zur Wahrnehmung und zur tatsächlichen Wirklichkeit gibt. Es werden 360 Unterschulen und deren Sichtweisen beleuchtet, um dann mit den buddhistischen Schulen zu beginnen.

Zuerst gingen wir darauf ein, dass es 3 Arten von Phänomenen/ Erscheinungen gibt:

– unbelebte materielle Erscheinungen
– unbelebte immaterielle Erscheinungen
– Bewusstsein → für uns am relevantesten, denn dort entsteht Leid

Das Teaching wurde weitergeführt und Repa Gyatso ging näher auf den Sinn des Lebens ein.

Was kann man darunter verstehen?

Kein Lebenssinn: wenn man merkt es fehlt was, beginnt man diese Leere mit allem möglichen zu stopfen und lenkt sich ab; keine Lebenskraft

Ein Lebenssinn: man hat eine Ausrichtung, man ist bereit, alles dafür zu tun; die eigene Lebenskraft steht in Abhängigkeit zu diesem Lebenssinn

Spiritualität als Lebenssinn: ALLES ist sinnvoll, alles ist spannend; es geht ums erleben der Nicht-Dualität

Als wir da saßen, und darüber sprachen, ob uns vielleicht ein höheres Prinzip erschaffen hat, kamen jeweils ein Junge und ein Mädchen und saßen sich einfach in unseren Sitzkreis. Irgendwie war es komisch. Ich war erstaunt darüber, wie selbstverständlich und interessiert sie sich eingebunden haben und gespannt, wie unser Lehrer darauf reagierte.

Er sprach mit ihnen darüber, an was sie glaubten und was der Sinn des Lebens sein könnte. Der Junge und das Mädchen waren beide der Ansicht, dass Götter sie erschaffen haben. Sie gaben hinduistische Gottheiten an – Das Mädchen nannte eine weibliche Gottheit, der Junge eine männliche. Repa Gyatso fragte, was sie so besonders an diesen Göttern finden und wie ihnen diese im Alltag helfen.

Die beiden war sehr interessiert an dem, was unser Lehrer sagte und wie er die Gottheiten von verschiedenen Gesichtspunkten betrachtete.

Repa Gyatso begann mit ihnen und uns eine Reflexion: Wenn diese Gottheiten euch erschaffen haben, dann bedeutet es ja, dass die Essenz dieser Gottheiten euch auch innewohnt. Denn im Erschaffungsprozess kann ja das göttliche Prinzip nicht einfach verloren gehen. Das bedeutet, dass ihr die Macht, Kraft, Weisheit etc. eures angebeteten Gottes bereits in euch tragt. Was macht dass mit euch? Daraus entsteht automatisch Bewunderung und Liebe für euch selbst. Euer Gott ist nicht nur die ganze Zeit bei euch, sondern ihr habt bereits dieselben Qualitäten in euch.

Die beiden waren sehr dankbar für diese Sichtweise, denn so mussten sie nicht nur einen äusseren Gott anbeten und um Hilfe bitten, sondern sie konnten selbst in ihre Verantwortung gehen und erkennen, dass sie ungetrennt von dem bewundernswertesten sind, was sie kennen.

Was ich in dem Teaching überhaupt nicht erkannte war, was sich hier gerade manifestiert hat. Wir wissen durch die Belehrungen von Repa Gyatso, dass es keinen Zufall geben kann – denn Zufall bedeutet, alles könnte zu jederzeit unabhängig von spezifischen Ursachen entstehen. Doch beispielsweise kann aus einem Apfelbaum Kern niemals ein Birnbaum entstehen.

Wie konnten also die Bedingungen so zusammentreffen, dass die beiden genau in dem Moment kommen, wo wir über ein höheres Prinzip sprachen? Dass sie beide an ein höheres Prinzip glaubten und sozusagen der Inhalt der geschriebenen Worte des Textes „zum Leben erwacht”?

Mir war zu diesem Zeitpunkt absolut nicht bewusst, dass sich das Teaching von einem männlichen und weiblichen göttlichen Prinzip gerade im Außen manifestiert hatte – als Menschen. Dadurch eröffnete sich uns die Möglichkeit, das Teaching zu ERLEBEN. Es wäre eine Chance gewesen, zu erkennen, dass alles eins ist. Es wäre eine Möglichkeit gewesen, zu erkennen, welches Wunder wir gerade erleben können. Dass dies nicht ein Ausdruck von einem Text ist, sondern vielmehr Ausdruck von Repa Gyatso`s Geist.

Doch dieser Moment wurde verpasst. Warum? Weil ein solches Wunder niemals mit dem Verstand begreifbar sein kann.

> Ich glaube nur, was ich sehe <

Wir haben darüber gesprochen und reflektiert, warum keiner von uns den Moment genutzt hat, ins Erleben zu gehen. Was hat uns davon abgehalten? Warum können wir das nicht zulassen?

Repa Gyatso betonte mehrmals, dass wir hier auf dieser Pilgerreise in seinem Herzen, in seinem Geist sind – dass er uns einladet, seine Welt zu erleben. Auch, dass sich die Wunder nicht einfach so, ohne Ursache, zeigen. Sie können nicht aus Zufall entstehen, weil es keinen Zufall gibt. Also haben sie offensichtlich mit Repa Gyatso zu tun. Obwohl ich diesen Rückschluss durchdachte, war ich immer noch nicht so weit, dass wirklich anzunehmen.

Meine Gedanken redeten mir immer noch ein, dass all das doch nicht sein kann, dass es doch eine logische Erklärung für die Wunder geben muss. Doch leider machte kein Wunder Sinn. Durch meinen Verstand kannte ich hauptsächlich die Welt der logischen Abfolge. Hier auf dieser Pilgerreise war meine Logik aber nicht zu gebrauchen. Denn wenn ich an dieser Logik festhalte und mir die Dinge erklären möchte, wird lediglich ein Zweifel zurück bleiben.

Repa Gyatso zeigte uns auf, dass wir die Möglichkeit (Entscheidung) haben, entweder IHM zu glauben, oder unserem ZWEIFEL.

> Ich sehe, was ich glaube <

Wenn ich also der Meinung bin, ich kann das gerade einfach nicht ‘fassen’, entscheide ich mich dazu, meinem Zweifel zu glauben und nicht meinem Lehrer. Diese Erkenntnis hat mich nachdenken lassen und mir bewusst gemacht, dass Vajrayana nicht gleich Vajrayana ist, nur weil man DENKT man vertraut seinem Lehrer bedingungslos.

Repa Gyatso sagte einmal: Der Weg des Vajrayana ist ein Weg, auf dem man komplett ehrlich zu sich selbst wird.

Ich erkannte also, dass ich mir wünschte, meinem Lehrer bedingungslos zu vertrauen, doch dass meine Gewohnheit immer noch darin besteht, meiner Logik den Vorrang zu geben. Dieses Teaching holte mich auf den Boden der Realität zurück und hat mir gezeigt, wo ich stehe und wo ich nicht stehe.

Die Gruppe war offensichtlich von sich selbst enttäuscht. Ich verstand, warum Repa Gyatso so großen Wert darauf legte, wie wir diese Erlebnisse wahrnehmen und dass uns diese Pilgerreise nicht wirklich weiterhelfen wird, wenn wir zwanghaft in der Logik bleiben.

Ich lief hinter Repa Gyatso her und dachte mir insgeheim – wie soll ich nur jemals mein Gefühl und meine Logik in Einklang bringen?

Der Zweifel in Bezug auf mich als Praktizierende sollte mich noch weiter begleiten und auch in den folgenden Tagen kam in mir immer wieder der Gedanke auf: Ich erkenne, dass Restzweifel da sind – bitte kann es irgendein Zeichen geben, dass all die Zweifel für immer und endgültig ausgelöscht werden und ich den Weg mit vollstem Vertrauen gehen kann.